17 March 2026, 01:06

Thalia Theater Hamburg inszeniert fiktiven Prozess gegen die AfD

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines überfüllten Gerichtssaals mit stehenden und sitzenden Menschen, beschriftet mit «Der Prozess gegen die britische Armee in London, England».

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Thalia Theater Hamburg inszeniert fiktiven Prozess gegen die AfD

Kontroverse Theaterinszenierung am Thalia Theater Hamburg: "Der Prozess gegen Deutschland" - tagesschau

Dieser Monat steht am Hamburger Thalia Theater im Zeichen einer umstrittenen theatralischen Aktion: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert "Der Prozess gegen Deutschland" - eine dreitägige, fiktive Gerichtsverhandlung darüber, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte. Für Rau ist es das erste Projekt dieser Art in Deutschland und bildet den Höhepunkt der diesjährigen Lessing-Tage Hamburg.

Die Lessing-Tage, 2010 vom ehemaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux gegründet, werden in diesem Jahr von Matthias Lilienthal kuratiert, der künftig die künstlerische Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird. Den Abschluss des Festivals bildet Rau mit "Der Prozess gegen Deutschland" - doch statt Schauspieler:innen übernehmen Jurist:innen und Rechtsexpert:innen die Rollen. Den Vorsitz führt die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin als Richterin.

Rau ist bekannt für seine provokanten, politisch aufgeladenen Inszenierungen, die reale Ereignisse mit Aktivismus und Multimedia verbinden. Internationale Aufmerksamkeit erlangten etwa "Das Kongo-Tribunal" (2015), "Breiviks Erklärung" (2014) oder "Die Moskauer Prozesse" (2013). Diesmal rückt die Zukunft der AfD in der deutschen Politik in den Fokus.

Die gesamte Veranstaltung wird live auf der Website des Thalia Theaters übertragen und so einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Im Rahmen des fiktiven Prozesses analysieren Jurist:innen die rechtlichen Argumente für ein AfD-Verbot. Als Teil der Lessing-Tage führt Rau damit seine Tradition fort, Theater mit realen politischen Debatten zu verknüpfen. Zwar hat das Ergebnis symbolischen Charakter, doch es bereichert die aktuelle gesellschaftliche Diskussion über Extremismus und Demokratie.

AKTUALISIERUNG

Jury-Urteil und Kontroversen in Milo Rau's 'Prozess gegen Deutschland'

Der dreitägige Prozess endete am 15. Februar 2026 mit einer geteilten Jury-Entscheidung. Das Gremium entschied 5-2, dass die Positionen der AfD die Menschenwürde verletzen, aber 3-2 gegen eine Empfehlung für ein Verbot durch den Verfassungsgericht. Meanwhile, Philosoph Rainer Mühlhoff zog sich aus dem Projekt zurück und die Videoaufzeichnung des Ereignisses wurde zunächst auf eine einwöchige Online-Veröffentlichung beschränkt. Diese Entwicklungen betonen sowohl das symbolische Gewicht als auch die internen Spannungen von Raus politisch aufgeladener Produktion.