22 March 2026, 10:31

Riesige Pipeline soll Rheinwasser in den Hambacher Tagebau leiten – doch Kritik bleibt laut

Ein detailliertes altes Kartenbild des Rheins in Deutschland, das Flüsse, Städte und Gewässer zeigt, mit Text oben und unten, der geografische Informationen liefert.

Riesige Pipeline soll Rheinwasser in den Hambacher Tagebau leiten – doch Kritik bleibt laut

In Nordrhein-Westfalen hat ein gigantisches Wasserleitungsprojekt begonnen – der erste Schritt zur Umwandlung ehemaliger Braunkohletagebaue in künstliche Seen. Die 45 Kilometer lange Pipeline soll Rheinwasser in das Tagebaurestloch Hambach leiten, wo ab 2030 die Flutung beginnen soll. Behörden und der Energiekonzern RWE feiern das Vorhaben als Symbol für den Strukturwandel der Region, doch Umweltschützer bleiben tief skeptisch.

Die feierliche Grundsteinlegung fand in der Nähe von Elsdorf statt, wo Bürgermeister Andreas Heller das Projekt als Beweis für den gelungenen Wandel bezeichnete. Der künftige "Elsdorfer See" werde der Stadt mehr Bekanntheit verschaffen, so Heller. RWE-Vorstand Lars Kulik präsentierte die Pipeline als Zeichen der Verlässlichkeit und betonte, sie ermögliche die Entstehung neuer Seen bei gleichzeitiger Erhaltung von Feuchtgebieten.

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Die Leitung selbst wird aus 10.000 Rohren bestehen, von denen einige einen Durchmesser von bis zu 2,2 Metern haben, und sich vom Rhein bis zum Tagebau Hambach erstrecken. Die Flutung des Restlochs wird voraussichtlich 40 Jahre dauern, bis das Wasser stabil ist, werden weitere Jahrzehnte vergehen. In der Nähe soll ab 2036 auch der Tagebau Garzweiler geflutet werden, während das kleinere Restloch Inden bereits ab 2030 Wasser aus der Rur erhalten wird.

Doch rechtliche und technische Hürden bleiben bestehen. Die Genehmigung zur Einleitung von Wasser in Hambach steht noch aus; das Zulassungsverfahren soll erst in diesem Herbst beginnen. Umweltverbände wie der BUND und die Initiative Alle Dörfer bleiben warnen vor ungelösten Problemen – etwa der Abdichtung der Gruben oder der Einhaltung von EU-Umweltvorschriften –, die den geplanten Starttermin 2030 gefährden könnten. Laufende Klagen von Aktivisten erhöhen die Unsicherheit zusätzlich.

Kritiker hinterfragen zudem die langfristigen Folgen für die Wasserversorgung. Microsofts neues Hyperscale-Rechenzentrum in der Region wird enorme Mengen für die Kühlung benötigen, was Ängste vor Knappheit schürt. Andreas Büttgen von der Initiative Bürirer für Bürir wirft RWE vor, die Seenumwandlung als Teil einer Konzernstrategie zu nutzen, und spekuliert, das Unternehmen könnte sich irgendwann zurückziehen.

Der Baubeginn der Pipeline markiert den Auftakt eines jahrzehntelangen Vorhabens, das die Landschaft der Region neu prägen soll. Gelingt das Projekt, entstehen hier einige der größten künstlichen Seen Deutschlands. Doch angesichts von Klagen, technischen Risiken und konkurrierenden Wasseransprüchen bleibt die Zukunft des Unterfangens alles andere als gesichert.

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