Pflege zu Hause kostet Familien bis zu 7.441 Euro monatlich – Reform dringend nötig
Franco GröttnerPflege zu Hause kostet Familien bis zu 7.441 Euro monatlich – Reform dringend nötig
Ein neuer Bericht unterstreicht die finanzielle Belastung von Familien, die in Deutschland Angehörige zu Hause pflegen. Der Bundesverband wir pflegen e.V. warnt, dass die Kosten für die häusliche Betreuung die Ausgaben in Pflegeheimen deutlich übersteigen. Da der Großteil der Pflegebedürftigen auf die Unterstützung von Familienmitgliedern angewiesen ist, hat das Ungleichgewicht bei den Ausgaben Forderungen nach einer Reform laut werden lassen.
In Deutschland leben 85,9 % der Menschen, die auf Langzeitpflege angewiesen sind, in ihrem eigenen Zuhause. Mehr als die Hälfte – 54,5 % – ist dabei vollständig auf die Hilfe von Angehörigen angewiesen. Dennoch bleibt die finanzielle Last enorm: Die monatlichen Eigenanteile für die häusliche Pflege liegen zwischen 340 und 7.441 Euro, im Median bei 2.085 Euro. Diese Kosten umfassen sowohl bezahlte Dienstleistungen als auch die unentgeltliche Arbeit der Familienmitglieder.
Demgegenüber beliefen sich die durchschnittlichen monatlichen Kosten für Heimbewohner im Jahr 2024 auf 2.871 Euro – ein Anstieg um 211 Euro gegenüber dem Vorjahr. Im Januar 2026 stieg dieser Betrag weiter und überstieg im ersten Jahr bereits 3.200 Euro. Anders als bei der häuslichen Pflege sinken die Kosten in Pflegeheimen oft mit der Zeit, da staatliche Zuschüsse greifen.
Eine Studie von Professorin Notburga Ott von der Ruhr-Universität Bochum zeigt, dass schwerstpflegebedürftige Menschen in häuslicher Umgebung monatlich über 7.000 Euro zahlen müssen. Zwar fördert das Sozialsystem nach Paragraf 3 des SGB XI die häusliche Pflege, doch Kritiker monieren, dass der finanzielle Druck dieses Prinzip untergräbt. Die Bundesregierung hat zugesagt, bis Ende 2026 eine Pflegereform abzuschließen, um die Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit zu verbessern.
Die Kluft zwischen den Kosten für häusliche und stationäre Pflege bleibt eine zentrale Herausforderung. Während Familien die Hauptlast der steigenden Ausgaben tragen, erhalten Heimbewohner schrittweise finanzielle Entlastung. Die für 2026 geplante Reform soll diese Ungleichheiten abbauen und ein ausgewogeneres System schaffen.