BP kämpft mit Umstrukturierung und sinkendem Börsenwert trotz hoher Ölpreise
Irmhild PutzBP kämpft mit Umstrukturierung und sinkendem Börsenwert trotz hoher Ölpreise
BP treibt seine umfangreiche Umstrukturierung voran, während die Ölpreise in die Höhe schnellen und der Marktdruck zunimmt. Der Börsenwert des Konzerns ist seit Mitte 2024 um 15 Prozent gesunken – von 95 Milliarden auf 81 Milliarden US-Dollar bis März 2026. Verschärfter Wettbewerb durch Erneuerbare-Energien-Unternehmen und strengere Regulierungen für fossile Brennstoffe in Europa haben die Herausforderungen zusätzlich verstärkt.
Nun setzt BP rigorosere Kostensenkungen und den Verkauf von Vermögenswerten durch, um seine finanzielle Zukunft zu sichern.
Die jüngste Umstrukturierung begann zwar bereits Mitte 2024, doch aktuelle Entwicklungen zwingen das Unternehmen, seine Pläne zu beschleunigen. Nach schweren Blockaden in der Straße von Hormus, durch die fast 20 Prozent der globalen Öl- und Flüssiggastransporte unterbrochen wurden, ist der Preis für Brent-Rohöl auf etwa 112 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Trotz der höheren Ölpreise hat sich BP's Marktposition verschlechtert, da Anleger die zögerliche Wende des Konzerns hin zu grüner Energie kritisch sehen.
Um die Finanzen zu stabilisieren, hat BP sein Sparziel auf 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar bis 2027 angehoben. Zudem strebt das Unternehmen an, bis dahin Vermögenswerte im Wert von 20 Milliarden US-Dollar zu veräußern – wobei bereits über 11 Milliarden US-Dollar gesichert sind. Ein großer Verkauf betrifft die Raffinerie in Gelsenkirchen, die jährlich 12 Millionen Tonnen Öl verarbeitet. Die Klesch Group übernimmt den Standort inklusive der 1.800 Mitarbeiter, was die Verbindlichkeiten von BP um bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar verringern könnte. Die Bank HSBC reagierte darauf mit einer Hochstufung der BP-Aktie von "Reduzieren" auf "Halten".
Gleichzeitig kämpft BP mit Arbeitskonflikten in seiner Raffinerie in Whiting, Indiana, wo rund 800 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte ausgesperrt wurden. Die Unternehmensführung betont, die Produktion werde dadurch nicht wesentlich beeinträchtigt. Die US-Regierung hat zudem die Lieferkettenbelastungen gelindert, indem sie für 60 Tage eine Ausnahme vom Jones Act erteilte – damit dürfen nun ausländische Schiffe Waren zwischen US-Häfen transportieren.
BP's Umstrukturierungsmaßnahmen fallen in eine entscheidende Phase: Der Konzern verkauft Vermögenswerte, kürzt Kosten und muss sich durch Arbeitskämpfe manövrieren, während die Ölpreise weiter schwanken. Analysten werden genau beobachten, ob diese Schritte die finanzielle Lage des Unternehmens in den kommenden Jahren stabilisieren können.






