24 June 2026, 20:21

Wie Instagram die Oper von Hochkultur zu Lifestyle verwandelt

Die Neue Kitschigkeit

Wie Instagram die Oper von Hochkultur zu Lifestyle verwandelt

Europas große Opernhäuser setzen auf Instagram – und verwandeln Hochkultur in Lifestyle

Führende Opernhäuser in ganz Europa verlagern ihren Fokus auf Instagram – weg von der Musik, hin zu Lifestyle-Inhalten, Getränken und gesellschaftlichen Erlebnissen. Die Oper wird zunehmend zur Unterhaltung degradiert, statt als Ort künstlerischer Reflexion wahrgenommen zu werden.

Die Wiener Staatsoper präsentiert auf ihrem Account die Moderatoren Hemma und Jakob, die das Opernhaus als Spielwiese oder Dinner-Location inszenieren. Ihre Beiträge umfassen Anleitungen für Bestellungen am Pausenbuffet oder Knigge-Tipps für Besucher – Kunst kommt dabei kaum vor.

Auch die Festspielhaus Baden-Baden setzt auf stylische Hosts, die mit Sprüchen wie „Klassik und Spritz“ oder „Sundowner mit DJ“ werben. Junge Influencer thematisieren lieber Dresscodes, Drinks und „Überlebenstipps“ als die Musik selbst.

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Die Staatsoper Berlin nutzt Instagram vor allem für Sponsorenpflege: BMW wird regelmäßig erwähnt, der Intendant bedankt sich in Posts für die „wertvolle Unterstützung“ – eine deutliche Schwerpunktsetzung auf Kommerz.

Ganz anders die Bayerische Staatsoper: Hier steht die Kunst im Mittelpunkt. Diskutiert werden Wagner, das Orchester oder die philosophischen Hintergründe der Inszenierungen. Mit Verweisen auf Justus von „Achtung Klassik!“ wird ein traditionellerer Ansatz betont.

Der Influencer Opera Bert taucht in den Feeds mehrerer Häuser auf – von Wien über Baden-Baden bis München. Die Oper wird als Wohlfühl-Ort vermarktet, bei dem Drinks in den Pausen von der eigentlichen Kunst ablenken.

Statt als künstlerische Institutionen präsentieren sich Opernhäuser zunehmend als gesellschaftliche Treffpunkte. Ihre Instagram-Inhalte drehen sich um Konsum, Sponsoring und lässige Erlebnisse. Die Entwicklung entfernt die Oper immer weiter von ihrer ursprünglichen Rolle: als Raum der Auseinandersetzung und gesellschaftlichen Debatte.

Quelle