Presseverteilung in Deutschland: Reformpläne spalten Verlage und Großhändler
Franco GröttnerPresseverteilung in Deutschland: Reformpläne spalten Verlage und Großhändler
Verlage in Deutschland treiben eine grundlegende Reform der Presseverteilung voran. Das Bündnis FFF will die derzeitigen 13 regionalen Großhändler bis 2027 durch einen einzigen zentralen Großhändler ersetzen. Der Plan stößt jedoch auf massiven Widerstand bei den bestehenden Großhändlern und Branchenverbänden.
Das FFF-Bündnis begründet die Reform mit Kostensenkungen, der Stabilisierung von Handelsmargen und dem Schutz der Medienvielfalt. Ziel ist es, die Presse-Grosso-Allianz (PGA) bis Ende 2026 als alleinigen nationalen Großhändler zu etablieren, mit vollem Betrieb ab 2027. Nur vier Unternehmen sollen als „Systempartner“ erhalten bleiben, während andere zu reinen Logistikdienstleistern werden.
Das Landgericht Dortmund wies kürzlich Anträge der Unternehmen PDG und Lütkemeyer auf einstweilige Verfügungen gegen die Kündigung von Verträgen ab. Beide Firmen kündigten an, alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen, um den Abbau der bestehenden Vertriebsstrukturen zu verhindern. Auch andere Großhändler wie Jost, Mietke, PGSW und Grossounion Nord fochten die Kündigungen gerichtlich an.
Der Bundesverband Presse-Grosso verurteilte das Vorgehen der Verlage als gezielten Versuch, einen unabhängigen Wirtschaftsbereich zu zerschlagen. Der Verband will die Reform bis Sommer 2023 durch Klagen stoppen. Das Bundeskartellamt hingegen erklärte, vorerst nicht einzugreifen, nachdem die Verlage ihre Pläne nachgebessert hatten.
Im Mittelpunkt des Streits steht die Zukunft des deutschen Pressegroßhandels. Während die Verlage ihr zentralisiertes Modell vorantreiben, kämpfen die Großhändler um den Erhalt der regionalen Strukturen. Die kommenden Monate werden zeigen, welche Seite sich in den anstehenden Rechtsstreitigkeiten durchsetzt.
