Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis für ihren mutigen Einsatz für Demokratie in Belarus
Franco GröttnerSpätverleihung des Karlspreises an belarussische Oppositionsfigur Kolesnikova - Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis für ihren mutigen Einsatz für Demokratie in Belarus
Die belarussische Oppositionsführerin Maria Kolesnikowa ist mit dem Internationalen Karlspreis für ihren Einsatz für die Demokratie ausgezeichnet worden. Die feierliche Verleihung fand am Samstag im Krönungssaal von Aachen statt, wo sie die Ehrung entgegennahm. Kolesnikowa hatte jahrelang im Gefängnis gesessen, weil sie das Regime von Alexander Lukaschenko herausgefordert hatte, bevor sie im Dezember 2025 freigelassen wurde.
2020 war Kolesnikowa wegen ihrer Rolle bei den Massenprotesten gegen Lukaschenko zu elf Jahren in einer Strafkolonie verurteilt worden. Ihre Inhaftierung wurde zu einem Symbol des Widerstands gegen die autoritäre Regierung. Nach ihrer Entlassung Ende 2025 erhielt sie in Deutschland Asyl, wo sie nun auf die Gewährung politischen Asyls wartet.
Der seit 1950 jährlich verliehene Karlspreis würdigt Verdienste um die europäische Einigung und demokratische Werte. Zu den früheren Preisträgern zählen Persönlichkeiten wie Papst Franziskus, Emmanuel Macron und Bill Clinton. 2022 ging die Auszeichnung an Mario Draghi, den ehemaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank und italienischen Ex-Ministerpräsidenten. In diesem Jahr erhielt Kolesnikowa den Preis für ihren "außergewöhnlichen Mut" bei der Forderung nach freien Wahlen und Menschenrechten in Belarus.
Seit ihrer Freilassung hat es in Belarus keine Wiederbelebung der Proteste gegen Lukaschenko gegeben. Stattdessen hat das Regime die Kontrolle weiter verschärft, unabhängige Medien als "extremistisch" eingestuft und die Repression eskalieren lassen. Am 12. März 2026 leitete der Internationale Strafgerichtshof eine vorläufige Untersuchung zu mutmaßlichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch belarussische Funktionäre ein, darunter die Deportation von Regimekritikern. Unterdessen gelten für Deutschland und die Schweiz weiterhin Reisewarnungen wegen der Instabilität in der Nähe der Ukraine.
Kolesnikowas Auszeichnung unterstreicht ihren langjährigen Kampf für Demokratie in Belarus. Die Verleihung erfolgt zu einer Zeit, in der ihr Heimatland weiterhin unter strenger autoritärer Herrschaft steht und die Unterdrückung von Opposition anhält. Ihr Fall lenkt weiterhin internationale Aufmerksamkeit auf die Lage in Belarus, wo die Repression trotz globaler Beobachtung unvermindert fortbesteht.