LfM fordert Nachbesserung bei Berndts umstrittenem Höcke-Interview
Nancy NeuschäferLfM fordert Nachbesserung bei Berndts umstrittenem Höcke-Interview
Die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) hat den Podcaster Ben Berndt angewiesen, sein Interview mit dem rechtsextremen AfD-Politiker Björn Höcke nachträglich zu bearbeiten. Das über sechs Millionen Mal gestreamte Gespräch war in die Kritik geraten, weil es Höckes Darstellung seiner Verurteilungen wegen der Verwendung des Slogans „Alles für Deutschland“ weder einordnete noch korrigierte.
Berndts Firma, die ungeskriptet media GmbH, erhielt ein Schreiben der Rechtsabteilung der LfM. Darin wird eine Überarbeitung der Folge mit Höcke sowie die Ergänzung erläuternder Hinweise bis zum 30. Juni gefordert. Die Behörde wies Berndts Vorwurf der Zensur zurück und bezeichnete ihr Vorgehen als „mildestes Mittel“ – eine Hinweispflicht, um mögliche Mängel für Anbieter aufzuzeigen.
Berndt reagierte kämpferisch auf die Forderungen. „Der Staat will mich zensieren. Da habt ihr euch den Falschen ausgesucht“, erklärte er und kündigte an, keine Änderungen vorzunehmen. Eine Nachbesserung könnte seiner Meinung nach andere Podcaster zu Selbstzensur veranlassen. Nicht zum ersten Mal steht die Folge in der Kritik: Bereits nach einem Hinweis der früheren AfD-Co-Vorsitzenden Frauke Petry auf eine sachliche Ungenauigkeit hatte Berndt sie überarbeitet.
Seit 2020 überwachen die Landesmedienanstalten bestimmte Online-Inhalte. Allein die LfM hat in diesem Zeitraum 38 solche Hinweisschreiben an Kanal- oder Plattformbetreiber verschickt.
Im konkreten Fall verlangt die LfM von Berndt, das fehlende Kontextwissen im Interview nachzureichen. Seine Weigerung, die Folge zu ändern, könnte nun zu einem Konflikt mit den Aufsichtsbehörden führen. Der Fall verdeutlicht die anhaltende Debatte über redaktionelle Verantwortung und staatliche Regulierung in der digitalen Medienlandschaft.
