Italienische Zwangsarbeiter: Zwischen NS-Allianz und rassistischer Verachtung
Nancy NeuschäferItalienische Zwangsarbeiter: Zwischen NS-Allianz und rassistischer Verachtung
Das Verhältnis zwischen Italienern und Deutschland während der NS-Zeit war von Widersprüchen geprägt. Zwar waren die faschistischen Regime beider Länder politische Verbündete, doch die nationalsozialistische Ideologie betrachtete Italiener als rassisch minderwertig. Diese Spannung prägte das Schicksal Zehntausender, die nach Deutschland kamen – zunächst als Saisonarbeiter, später als Zwangsarbeiter und schließlich als Nachkriegsmigranten, die auf Feindseligkeit stießen.
Bis in die 1930er-Jahre blieb die italienische Migration nach Deutschland gering, bedingt durch wirtschaftliche Instabilität, Sprachbarrieren und schlechte Arbeitsbedingungen. Das änderte sich, als das nationalsozialistische Deutschland sich auf den Krieg vorbereitete. Bis 1941, als die Operation Barbarossa die deutschen Arbeitskräfte dezimierte, versuchte das Regime, einen Mangel von 300.000 Arbeitskräften durch die Anwerbung italienischer Arbeiter für die Fabriken auszugleichen. Viele kamen mit Verträgen ins Land, doch ihre Behandlung war unterschiedlich.
Nach der italienischen Kapitulation 1943 wurden über 600.000 italienische Soldaten zu Italienischen Militärinternierten (IMI). Ihnen wurden die Rechte entzogen, und sie wurden in Arbeitslager gezwungen. Einige erlitten Grausamkeiten, andere erinnerten sich später an gelegentliche menschliche Gesten deutscher Zivilisten. Die meisten kehrten nach dem Krieg in die Heimat zurück, doch einige blieben – weil sie persönliche Bindungen geknüpft hatten oder Gründe fanden, nicht zu gehen.
In den 1950er- und 1960er-Jahren folgte eine neue Welle italienischer Arbeitsmigranten, oft mit kommunistischer oder gewerkschaftlicher Vergangenheit. Viele engagierten sich in Deutschland in Gewerkschaften und politischer Arbeit. Doch sie stießen auf Ablehnung, wurden als Badoglio-Verräter beschimpft oder abfällig als Itaker bezeichnet – ein Schimpfwort, das die fortbestehenden Kriegsvorurteile widerspiegelte.
Die Geschichte der Italiener in Deutschland zur Zeit des Faschismus und Nationalsozialismus offenbart ein komplexes Erbe. Politische Bündnisse prallten auf rassistische Ideologien, während wirtschaftliche Zwänge die Ausbeutung vorantrieben. Spätere Migranten erlebten sowohl die Chancen als auch die Vorurteile, die diese bewegte Vergangenheit geprägt hatte.






