Deutsche Unternehmen scheitern an der Umsetzung digitaler Souveränität – trotz hoher Priorität
Franco GröttnerDeutsche Unternehmen scheitern an der Umsetzung digitaler Souveränität – trotz hoher Priorität
Eine neue Studie zeigt: Zwar erkennen die meisten deutschen Unternehmen die Bedeutung digitaler Souveränität an, doch nur wenige verfügen über klare Strategien zu deren Umsetzung. Der "Digitale Souveränitätsindex" (DSI), entwickelt von Adesso und dem Handelsblatt Research Institute, offenbart eine deutliche Lücke zwischen Bewusstsein und Handlung. Viele Firmen sind nach wie vor stark von ausländischen Anbietern bei kritischen Technologien wie Cloud Computing, Software und KI abhängig.
Laut der Umfrage halten 92 Prozent der Befragten digitale Souveränität für wichtig. Doch nur 21 Prozent verfügen über eine eigenständige Strategie dazu, und lediglich 13 Prozent binden das Thema in ihre Unternehmensplanung ein. Die Verantwortung liegt häufig bei den IT-Abteilungen – nur 25 Prozent der Unternehmen beziehen den Vorstand ein.
Aktuell erreichen die Firmen im Durchschnitt einen Reifegrad von 65,8 Prozent in puncto digitale Souveränität. Ihr Zielwert liegt bei 77,8 Prozent, was darauf hindeutet, dass sie zwar mehr Kontrolle anstreben, aber keine vollständige Unabhängigkeit. Cloud-Lösungen (72 Prozent) und Sicherheit (91 Prozent) bleiben die obersten Prioritäten, während die Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern bei essenziellen Technologien bestehen bleibt.
Trotz der Herausforderungen sind 80 Prozent der Unternehmen bereit, einen Aufpreis zu zahlen – im Schnitt etwa 17 Prozent mehr – für souveräne Lösungen. Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender von Adesso, betont, dass eine stärkere digitale Souveränität Unternehmen mehr Freiheit, Innovationspotenzial und Wettbewerbsvorteile verschaffe.
Die Ergebnisse verdeutlichen einen klaren Trend: Unternehmen schätzen digitale Souveränität, tun sich aber schwer mit der praktischen Umsetzung. Da die meisten Firmen weiterhin auf externe Anbieter angewiesen sind, könnte der Drang nach mehr Kontrolle künftige Investitionen prägen. Die Bereitschaft, für souveräne Alternativen tiefer in die Tasche zu greifen, deutet auf eine wachsende Nachfrage nach autonomer digitaler Infrastruktur hin.






